"Ei des Kolumbus" für Afghanistan

Gemeinsam mit der Bundesregierung sucht Mission East nach Wegen, Menschen in entlegenen Regionen Afghanistans Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen. Bei dieser Form der Entwicklungszusammenarbeit können vor allem Frauen und Mütter eine wichtige Rolle spielen. Aber was tun, wenn ihnen eine öffentliche Erwerbsarbeit verwehrt wird? Mission East fand eine verblüffend simple Lösung.

Qandi Gul war verzweifelt. Sie und ihre Familie befanden sich im Teufelskreis der Armut, mit fatalen Folgen für die Gesundheit der Familie und die Schulbildung der Kinder. Die Familie lebte von dem spärlichen Einkommen des Ehemannes als Tagelöhner. "Wir hatten kein Geld, um Bleistifte und Notizbücher zu kaufen, also konnten meine Kinder nicht zur Schule gehen. Und wenn ein Familienmitglied krank wurde, mussten wir zu einem traditionellen Heiler gehen, weil wir es uns nicht leisten konnten, einen Arzt zu bezahlen."

Doch Geld ist nicht das einzige Problem für Qandi Gul. Besonders in den ländlichen Gebieten Afghanistans wird von Frauen erwartet, dass sie innerhalb der vier Wände ihres Hauses bleiben. Wenn sie auf die Straße gehen, müssen sie verschleiert sein. Frauen wie sie haben daher nicht die Möglichkeit, außerhalb des Hauses zu arbeiten. "Aufgrund kultureller Einschränkungen können meine Töchter nicht arbeiten. Und meine Söhne sind zu klein", sagt die 46-jährige Qandi Gul aus Nordafghanistan.

Hühner und Know-How als Startkapital

Als Mitarbeiter von Mission East in ihr Dorf kamen, fragten sie nach hilfsbedürftigen Familien vor Ort. Man führte sie zu Qandi Gul und fand für sie eine Lösung, sich einen besseren Lebensunterhalt zu ermöglichen ohne die Traditionen der Gemeinde zu beschädigen.

Qandi Gul erhielt 15 Hühner von Mission East, die sie inzwischen durch geschickte Züchtung auf 30 erhöht hat. "Jeden Tag bekomme ich so 10 bis15 Eier, die ich verkaufen kann. Jetzt kann ich Bleistifte, Notizbücher und Kleidung für meine Kinder beschaffen, damit sie zur Schule gehen können". Dank unseres Engagements hat sie inzwischen auch gelernt, eigenes Gemüse anzubauen. Jetzt können ihre zehn Kinder gesundes Gemüse wie Tomaten, Kohl, Auberginen und Kürbisse essen.

Geld des BMZ wurde gut angelegt

Mission East arbeitet seit 2001 daran, die Bedingungen für die Bevölkerung in der Region zu verbessern. Insgesamt 80 Familien erhielten in den letzten 12 Monaten Ausbildung und Ausrüstung für die Geflügelhaltung. Die Aktivitäten sind Teil eines größeren, von der Bundesregierung geförderten Projekts. Die Finanzierung dafür kam vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Das Ziel war die Stärkung der Widerstandsfähigkeit von abgelegenen Gemeinden in der Badakhashan Provinz im Nord-Osten von Afghanistan. Mehr zum Projekt hier